Autorin des Monats: Christine Ulrich

 

 

Dieses Mal stellen wir euch eine Autorin vor, die uns einiges Interessante zu erzählen hat - und das nicht nur in ihren Büchern.

 

Das Interview zeigt beispielhaft, dass Vita und Schaffen von Autoren immer miteinander eng verbunden sind.

 

Hier findet ihr den Link zu ihrem aktuellen Roman!

 

 

Das Interview:

Liebe Christine,
da das dein erster Auftritt auf unserer Autorenseite ist, lass uns ein wenig in deiner Biographie stöbern und herausfinden, warum und was du schreibst!
R: Beginnen wir doch einmal bei einem der markantesten Punkte deiner Vita: Du wolltest Opernsängerin werden? Was ist dann passiert? Wie kommt man von dort zum Schreiben? Und bist du da genauso …laut, emotional, melodiös wie eine Operndiva?
C: Nach dem Wechsel vom Privatunterricht an die Hochschule war ich nur noch eine »zukünftige Stimme« mit dem Ziel »Opernbühne«, und ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich da wirklich hinwollte. Leider war ich nämlich »lyrischer Sopran« und damit qualifiziert für die Rolle der wartenden Jungfrau, was mir überhaupt nicht gefiel. Langsam aber sicher verließ mich die Disziplin, in jeder freien Minute Stimmübungen zu machen, und schließlich fiel mir auf, dass ich viel lieber Motorrad fahren und Abenteuer erleben möchte, als neben einem Konzertflügel Tonleitern zu singen.
Ich war damals glühende Verehrerin von Henry Miller und stellte mir ein Boheme-Leben vor, wo ich neben Kaffee und Croissants am Buch des Jahrhunderts schreibe. Allerdings hatte ich keinen Schimmer, worüber ich schreiben sollte, und der Gedanke, einfach eine Geschichte zu »erfinden«, kam mir überhaupt nicht. Das sollte alles tiefere »Wahrheit« haben und sich von selbst ergeben. Nicht besonders erstaunlich blieb es für Jahrzehnte bei Skizzen.
Erst in den letzten Jahren ist es mir gelungen, die »Wahrheit« in Geschichten einzufangen, die auch jemand lesen möchte. Um Gefühle geht es dabei immer, und ich habe den Eindruck, dass die musikalische Ausbildung mir hilft, die richtige Sprachmelodie zu finden.


R: Du hast dich viel in der Welt herumgetrieben und lebst heute in einem Land, in dem andere Urlaub machen. Was bedeutet das für das Schreiben? Wie ist dort der Lebenspuls und lesen die Leute mit ähnlichen Schwerpunkten wie hier?
C: Wenn ich von meiner Autorentätigkeit erzähle, vermuten die meisten Norweger erst einmal, dass ich Gedichte schreibe, und sind etwas verwirrt, wenn ich »Science Fiction« erwähne. Tatsächlich gibt es hier erstaunlich viele Gedichtbände zu kaufen. Das andere große Buch-Ereignis ist die Tradition des »Osterkrimis«, wenn wochenlang über nichts anderes geredet wird, als über diesbezügliche Neuerscheinungen. Einmal im Jahr ist großer Buchausverkauf, und das lohnt sich für qualitativ hochwertige Bücher aus allen Bereichen. Der Markt ist hier sehr traditionell – Hardcover, Taschenbuch, Sonderangebot, immer noch eher selten auch Ebook, und dann nur mit speziellem Reader – und Neuerscheinungen sind ziemlich teuer. Sehr häufig werden auch englische Bücher gelesen, weil die billiger sind und weil es vieles auf Norwegisch nicht gibt. Neuauflagen sind selten.
Die Sprache ist generell knapper im Ausdruck als Deutsch, und das beeinflusst mich schon, zumal mir »Blumiges« sowieso nicht liegt. Jo Nesbø ist darin ein Meister. Ich bewundere seine unglaubliche Präzision, kein Wort zu viel zu schreiben.

R: Die Dystopie, der Humor, die Phantasie … das sind Eckpfeiler deines Schreibens: Stelle uns doch einmal eine deiner Figuren auf diesem Hintergrund vor:
C: Da nehme ich mal Maria, die Protagonistin aus dem neuen Roman. Sie lebt in einer geschlossenen Gemeinschaft, an der die Entwicklung in der übrigen Welt vorbeigegangen ist. Sie kennt keine Abhängigkeit und keine Angst vor dem Tod. Ihr Leben ist ziemlich vorgezeichnet, aber das stört sie nicht, weil es ein innerlich reiches und aufrichtiges Leben ist. Als Teil der Gemeinschaft ist es ihre Aufgabe, wahrhaftig zu sein. Abgesehen davon ist sie aber auch eine ganz normale junge Frau, die sich Hals über Kopf verliebt, und die Motive für ihre Handlungen sind am Ende nicht ganz eindeutig.


R: Dein neustes Buch ist auf dem Markt: Was ist es, worum geht es und wo kriegt man es?
C: Die Geschichte spielt gegen Ende dieses Jahrtausends, nachdem sich infolge einer weltweiten Epidemie eine neue Ordnung etabliert hat. Eine Elite von Unsterblichen verfügt über das Mittel, Infizierte zu retten, aber der Preis dafür ist eine Form der Sklaverei. Hauptperson ist Ireaneus, einer dieser Unsterblichen. Er ist von allen möglichen Stimulanzien abhängig und immer auf der Suche nach Ablenkung. Ein rätselhafter Auftrag bringt ihn an den Salcantay, einem Berg in den Anden, und zu der Gemeinschaft, die dort lebt. Von Anfang an konfrontiert ihn der Aufenthalt mit Dingen, von denen er eigentlich überhaupt nichts wissen will, weil sie seine Lebensweise in Frage stellen. Zu seiner eigenen Überraschung verliebt er sich, rauscht in die Katastrophe und muss sich zum ersten Mal seit Jahrhunderten für sein Tun verantworten. Knapp gesagt, geht es um den zweifelhaften Wert der Unsterblichkeit und die zeitlose Macht der Liebe.
»Der Fall Irenaeus« gibt es ausschließlich bei Amazon, als Ebook und Taschenbuch oder zur Ausleihe über KU.



R: Könntest du dir auch vorstellen, beispielsweise Paranormal Romance zu schreiben oder Gartenratgeber? Wie entscheidet sich für dich das Genre, in dem du schreibst?
C: Ausgerechnet »Romance« wohl eher nicht, weil Liebesgeschichten mit zwingendem Happy End nicht so mein Fall sind. Fachbücher auch nicht, weil es nichts gibt, wo ich Expertin wäre. In der Schublade habe ich die Rohfassung eines Fantasy-Epos, und ich versuche, auf zündende Ideen für eine Serie zu kommen. »Urban Fantasy« würde mich reizen. Oder etwas ganz Schräges, wie zum Beispiel »Wikinger im Weltall«.
Zur SF bin ich geraten, weil es für mich leichter ist, mich mit den Figuren auseinanderzusetzen, wenn sie in einer ganz anderen Welt leben. Das »Dytopische« kam dazu, weil ich mir zum einen für die Zukunft alle möglichen finsteren Szenarien vorstellen kann, und weil mich natürlich Filme wie »Blade Runner«, »Alien« oder »Mad Max« geprägt haben. Ein paar Ideen dazu habe ich noch, danach ist dann der Weg für etwas anderes frei.


R: Was glaubst du, ist die Aufgabe eines Autors oder einer Autorin für sich, die Leser und Leserinnen und die Welt?
C: Als Leserin mag ich kluge Bücher, die mich überraschen, und in denen ein Funken Wahrheit steckt. Beim Schreiben bin ich am glücklichsten, wenn es mir gelingt, mutig zu sagen, was Sache ist, ohne mich hinter nebulösem Wischiwaschi zu verstecken. So gesehen würde ich sagen, es ist meine Aufgabe, eine ehrliche Geschichte zu erzählen, und dann darauf zu hoffen, dass ich es gut gemacht habe.

Danke, Christine, das war wirklich interessant! Da hole ich mir mal dein neues Buch! Dir noch frohes Schaffen heute!
 

Für alle Infos zum Buch, das Cover anklicken!

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